Solarthermische Kraftwerke in der Diskussion

Nach der Ankündigung des Konsortiums unter Federführung der Münchner Rück, 400 Milliarden Euro in solarthermische Großkraftwerke zu investieren, schlägt dieses Thema in der Presse hohe Wellen. Einerseits triumphieren Medien zum Beispiel “Die Wüste lohnt!” (Die Zeit) oder “Lasst die Sonne rein” (Süddeutsche).

Doch es gibt auch Kritiker, wie etwa den Vorsitzenden von Eurosolar, Hermann Scheer. Dieser urteilt in der Frankfurter Rundschau vom 20. Juni 2009:  “Wir brauchen keinen Sahara-Strom. [...] Dabei wird übersehen, dass wir seit 2000 mit dem Erneuerbare-Energie-Gesetz ein Großprojekt realisieren - jedoch mit vielen dezentralen Anlagen, die Großprojekte überflüssig machen. [...] Die Chance der erneuerbaren Energien liegt in diesem Systemwechsel, nicht in der Kopie atomarer und fossiler Großkraftwerke”.

Bei allem Respekt vor Hermann Scheer, dessen Visionen und der bedeutenden Rolle bei der Einführung des EEG, hier sollte er seinen Standpunkt nochmals überdenken. Ich verdeutliche es an folgendem Schema, das ich gerade erstellt habe.Zukünftige Stromversorgung in EU-MENA

Meine vorsichtige Kritik an Herrn Scheer richtet sich an das Ausspielen dezentraler und zentraler erneuerbarer Energien. Hier gibt es keinen Widerspruch, nur verschiedene Interessen. Um der Ressourcenverknappung fossiler Energieträger und dem durch CO2-Ausstoß verursachten Klimawandel entgegen zu steuern, brauchen wir beides, dezentrale, kleine Anlagen, aber auch große Kraftwerke. Ansonsten können wir die benötigte Energiemenge nicht zu vertretbaren Kosten bereitstellen. Über die Ratio lässt sich natürlich diskutieren, aber die grundsätzliche Ablehnung des Stromimports nach Europa ist enttäuschend

Es ist schade, dass nach Bekanntwerden einer Initiative, die in erneuerbare Energie in noch nie dagewesener Größenordung investieren möchte, gleich wieder alte Ressentiments gegen die böse Großindustrie herausgekramt werden, bevor auch nur vage Pläne des Konsortiums auf dem Tisch liegen.

Natürlich sollten gesellschaftliche, soziale und ökologische Faktoren bei der Umsetzung des Vorhabens berücksichtigt werden. Auch das subsaharische Afrika darf nicht vergessen werden. Daran arbeiten wir schon seit drei Jahren in unserer interdisziplinären Arbeitsgruppe an der Uni Gießen.

Jetzt sind Kooperation und Problemlösung angesagt, nicht Blockade und Polarisierung!

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